Quelle: wien.gv.at

 

Der Goethehof war als eine der letzten Bastionen des Widerstandes gegen den austrofaschistischen Ständestaat während der Februarkämpfe 1934 heftig umkämpft. Erst nach längerer Zeit des Dauerbeschusses - zum Teil mit schwerer Artillerie - besiegten Polizei und Armee diese Hochburg der Sozialdemokratie. Eine den Verteidigern des Goethehofes gewidmete Gedenktafel wurde erst in den 1980er-Jahren angebracht. Der ursprünglich nach dem Montessoriprinzip geführte Kindergarten der Anlage wurde von Österreichs einzigen Bauhaus-Schülern Friedl Singer und Franz Dicker eingerichtet. Bereits 1934 zerstörten Vandalen einen Teil der modernen Ausstattung, die noch heil gebliebenen Reste wurden 1938 per "gesetzlicher Verordnung" vernichtet.
Zu medialer Berühmtheit gelangte die Wohnhausanlage in den 1990er-Jahren durch die beliebte Fernsehserie "Kaisermühlenblues", die den geschichtsträchtigen Goethehof zu einem ihrer Hauptschauplätze machte.

2000 Goethehof

Die Architektur

Die zu den Superblocks zählende Wohnhausanlage wurde von mehreren Architekten gemeinsam entworfen, wobei die einzelnen Bauteile auch deren unterschiedliche Architektursprachen widerspiegeln. Die Anlage gliedert sich in drei große Höfe, die durch die Front an der Schüttaustraße als monumentale, geschlossene Fassade mit zurückspringendem Mittelteil miteinander verbunden sind. Die Rückseite des Hofes ist zur Alten Donau hin offen. Als Seitenflügel begrenzen zwei konkave Baublöcke die Anlage Richtung Wasser. Der mittlere Hof öffnet sich in der Achse des Haupteingangs mit zwei erhöhten Eckbauten zum Erholungsgebiet. Im linken, näher zur Wagramer Straße liegenden Hof befindet sich ein frei stehendes Kindergartengebäude, während im rechten der Schwung des begrenzenden Baublocks wiederholt wird. Eine zusätzliche Gliederung erfährt die Wohnhausanlage durch das unterschiedliche Bodenniveau. Die architektonische Ausgestaltung der einzelnen Wohngebäude reicht von expressiv anmutenden, klinkerverkleideten Akzentuierungen bis hin zu geometrisch-sachlichen Konstruktionen.

... und die Kunst

Im ersten Hof, am Rande des Areals des Kindergartens, steht eine vermutlich aus den 1930er-Jahren stammende, nicht signierte Natursteinplastik mit der Darstellung der Märchenfigur des Rattenfängers von Hameln.
An der Fassade zur Schüttaustraße befindet sich eine Sonnenuhr mit Tierkreiszeichen-Reliefs aus farbig glasierter Keramik. Der Entwurf zu dieser Arbeit stammt vom Architekten Alfred Chalusch, für die künstlerische Umsetzung zeichnete der bekannte Bildhauer Oskar Thiede verantwortlich.
Am Hauptportal sind drei Figuren - zwei Musiker und eine Tänzerin -, die aus der Errichtungszeit der Wohnhausanlage stammen, zu sehen. Vermutlich ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Bronzetafel "Ewige Ernte" von Josef Humplik.
1984 wurde eine vom Bildhauer Franz Pixner künstlerisch gestaltete Gedenktafel für die während der Februarkämpfe im Jahr 1934 Gefallenen im Kampf um den Goethehof im Durchgang des Hauptportals angebracht.

Der Name

Der Namensgeber dieser Wohnhausanlage ist der berühmte Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Eine Tafel im Durchgang des Hauptportals erinnert an den so genannten "Dichterfürsten".

  • 1930_Goethehof
  • 1932_Goethehof_Haupteingang
  • 1932_Goethehofe_Ansicht_08
  • 1933_Goethehof_Haupteingang
  • 1935_Goethehof_Innenhof
  • 1940_ca_Goethehof_Schule_Gaerten
  • 1947_Ansichten_Goethehof
  • 1947_Goethehof_Trafikl
  • 1955_Konsum_Goethehof
  • 2000_Goethehof
  • 2014_Goethehof_Errichtungstafel_Seitz
  • 2014_Goethehof_Kindergarten_Zubau
  • 2014_Goethehof_SPOE_Sektion_6
  • 2014_Goethehof_die_hinteren_Stiegen
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