Eiserne Kirche

Es gibt vermutlich wenige Gebäude, um die sich mehr Geschichten und G’schichteln gesponnen haben als um die Eiserne Kirche. Nahezu jeder der älteren Kaisermühlner kennt noch eine überlieferte Geschichte, in einigen Büchern sind ebenfalls allerlei abenteuerliche Hinweise und Versionen zu finden. So auch eine unter dem Titel „Das eiserne Geheimnis“ im Buch Der Tod im Goethehof in dem Liselotte Hansen-Schmidt viele wunderbare Geschichten zusammengetragen und damit vor dem Vergessen bewahrt hat.
Eiserne Kirche Artikel webAber vorweg, was ist eigentlich eine / die Eiserne Kirche? Eiserne Kirchen waren als Art „Notkirchen“ gegen Ende des 19. Jahrhunderts durchaus keine Besonderheit und in England üblich. So kam es auch, dass so eine Kirche in Wien auftauchte. Ursprünglich im Rahmen der großen Wiener Weltausstellung, welche 1873 ungefähr auf dem Gebiet des Messegeländes stattgefunden hat.
Dort wurde die Eiserne Kirche von der Firma Hemming & Comp ausgestellt, ob Interesse bestanden hat oder nicht ist nicht überliefert, Käufer wurde jedenfalls keiner gefunden und so Stand das Unternehmen vor dem Problem des teuren und aufwendigen Rücktransportes.
Im ersten Ansatz wurde versucht, wie viele andere Ausstellungsobjekte auch, die Eiserne Kirche zu verkaufen. In dieser Zeit finden sich zahlreiche Zeitungsinserate wie das nachstehende aus der „Deutschen Zeitung aus dem Oktober 1874.
Nachdem keinerlei Käufer gefunden werden konnten, war auch Hemming & Comp nicht abgeneigt, die Kirche zu verschenken. Die Wahl fiel bald auf das damals als Folge der Donauregulierung verarmte Kaisermühlen, dessen Bewohner in die weit entfernte Nepomuk Kirche in die Jägerzeile (heutige Praterstraße) zur Messe gehen mussten. Doch auch Geschenke sind nicht immer gratis, wie man meinen oder hoffen mag. Auch wenn Kaisermühlen nicht abgeneigt war, so stellte sich die Frage, wer die Kosten für Zoll und Steuer tragen sollte. Selbst für den bei geringster Bemessung, zu der sich das Handelsministerium bereit erklärte zu berechnen, blieb ein betrag mit den Aufstellungskosten von damals 3.400 Gulden. Für das arme Kaisermühlen unfinanzierbar und auch Diözese oder Stadt Wien waren schlussendlich nicht bereit diese zu übernehmen, so ein Zeitungsbericht aus 1877 (Zeitung: Das Vaterland)
Bis hierhin ist die Geschichte durchaus bekannt und überliefert, aber hier beginnen die abenteuerlichsten Spekulationen. Viele wollen im Haus in der Bellegardegase 5 durch den erkennbaren Turm die Eiserne Kirche erkennen, doch dieser gehörte immer zu einem Gasthaus, das ursprünglich auch den Namen „Zum roten Turm“ trug, den man auch bis heute gut erkennen kann.
Dann ist die häufigste Geschichte, die Kirche sei „irgendwo“ geheimnisvoll gelagert gewesen und dann ebenso geheimnisvoll „verschwunden“. Die Geschichte, also eigentlich das G’schichterl hat mich nicht losgelassen und ich wollte es nie so recht glauben, also musste ich recherchieren.Eiserne Kirche Artikel web 2

Die erste interessante Fundstelle war in der „Neuen Freien Presse“ aus Juni 1877, dort konnte zumindest der Lagerort geklärt werden, da diese berichtet,, dass die Eiserne Kirche in einer Waschanstalt im Souterrain gelagert wird. Da eine der ersten Waschanstalten in Kaisermühlen, noch dazu die größte und nachgewiesenermaßen damals schon in Kaisermühlen ansässig, die Firma Adelwandsteiner war, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um diese gehandelt haben dürfte.
Dort schlummerte sie also in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin, da sich nach wie vor niemand bereit erklärte die Kosten zu übernehmen und die Kaisermühlner mussten noch immer den weiten Weg in die Jägerzeile zur Messe auf sich nehmen.
Da das Problem auch weiterhin ungelöst blieb, hat man sie weiter verschenkt und dem Gustav-Adolph-Frauenvereine überlassen, wie die Wiener Zeitung vom 13. März 1880 berichtet.
Dieser hatte endlich eine Verwendung und hat sie in das protestantische Dorf Königsberg in Galizien verbracht, wie die Neue Freie Presse vom 27. Mai 1880 berichtet.

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So findet die Geschichte doch noch ein wenig geheimnisvolles aber für Königsberg sicher erfreuliches Ende.

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